Aus dem AHV NRW Magazin: Schule mal anders

Aktualisiert: 14.12.20255 min. Lesezeit

Schule mal anders
SCM-Summer School in Steyr

 

Text: Björn Bosch und Florian Niemeyer

Supply Chain Management (SCM) ist ein zentraler Aspekt der modernen Wirtschaft. Von der Rohstoff Beschaffung über die Produktion und den Handel bis hin zur Entsorgung gibt es zahlreiche Schritte, die sorgfältig koordiniert werden müssen. 

Im Mittelpunkt stehen der Austausch von Waren und Informationen sowie das Management der Finanzströme aller Beteiligten. Diese Logistikprozesse haben sich in den letzten Jahren als sehr anfällig erwiesen, was das Risikomanagement zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Supply Chain macht. Zusätzlich wird die Bedeutung der Nachhaltigkeit immer größer, obwohl diese oft im Widerspruch zur schnellen Verfügbarkeit von Waren steht.

All diese Herausforderungen sind der Fokus der jährlich stattfindenden Summer School der Fachhochschule Steyr, der National University of Singapore und dem Walter-Eucken-Berufskolleg, die in Steyr abgehalten wird. In internationalen Gruppen beschäftigen sich die Teilnehmer mit verschiedenen Aspekten von „Störungen in der Supply Chain“.

Ein Beispiel dafür ist die Fallstudie, bei der es darum geht, die Auswirkungen einer gestörten Lieferkette zu untersuchen. „Stell dir vor, es ist Muttertag und bei Hofer (Aldi Süd) gibt es keine Muttertagsgeschenke.“ Was passiert, wenn Lieferketten gestört sind, und wie kann man darauf reagieren? Diese Fragestellung wurde mit realen Containerbewegungen aus Asien für Aldi untermauert. Mit Hilfe von Analyseprogrammen (in dem Fall Microsoft Power-BI) lernten die Teilnehmer*innen die Analyse und Auswertung komplexer und großer Datenmengen und konnten hierüber Handlungsempfehlungen für die Vermeidung zukünftiger Engpässe erarbeiten.

Das Thema der Nachhaltigkeit und der effizienten Planung in Logistikketten ist Kerninhalt der zweiten Fallstudie. Beim Transport von Baumaschinen von Linz nach Singapur geht es neben der Auswahl einer kosteneffizienten und gleichzeitig nachhaltigen Transportlösung auch um praktische Aspekte wie die Erstellung von Containerstauplänen oder der Berücksichtigung von Incoterms sowie Vorgaben aus dem zugrundeliegenden Akkreditivgeschäft. 

In einer dritten Fallstudie, die von der Firma Vishay stammt, geht es um die frühzeitige Erkennung von Störungen in der Lieferkette und an Produktionsstandorten. Dies ist besonders wichtig, da die Lieferzeiten in der Halbleiterindustrie bis zu 48 Monate betragen können und Kunden kurzfristig von Verträgen zurücktreten können. Die Teilnehmer lernen, wie man potenzielle Störungen frühzeitig erkennt und das Sourcing anpasst.

Für die vierte Fallstudie besuchten die Teilnehmer die Voestalpine in Linz, den größten Stahlproduzenten in Österreich. Sie analysierten, wie verschiedene Anforderungen an Produktqualitäten und diverse Belieferungskonzepte zu hohen Logistikkosten führen, die die Marge am Produkt reduzieren. Die Aufgabe bestand darin, Kunden nach Vertriebsmenge und Logistikaufwand zu clustern, um daraus Vertriebsempfehlungen abzuleiten.

Neben der fachlichen Interaktion liegt der Fokus der Summer School auf dem interkulturellen Austausch. Die Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern werden bewusst gemischt, um neben fachlichen Unterschieden auch unterschiedliche Mentalitäten und Arbeitsweisen kennenzulernen. Da die gesamte Summer School auf Englisch stattfindet, verbessern die Teilnehmer ihre Sprachkenntnisse erheblich. Ein reichhaltiges Freizeitprogramm rundet die Veranstaltung ab und macht den Abschied am Ende der Woche schwer. 

Erfahrungen und Bericht der Teilnehmer
Die Summer School bietet nicht nur eine wertvolle Lernerfahrung, sondern auch unvergessliche persönliche Eindrücke. Hier sind vier Schülerkommentare, die die Vielseitigkeit und den Nutzen dieses Programms hervorheben:

Florian Niemeyer
„Die Summer School war eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe nicht nur mein Wissen im Bereich Supply Chain Management vertieft, sondern auch wertvolle Einblicke in andere Kulturen und Arbeitsweisen gewonnen. Die Fallstudien waren herausfordernd, aber äußerst lehrreich. Besonders beeindruckend fand ich die Zusammenarbeit mit Studenten aus Singapur und Deutschland – wir haben uns großartig ergänzt und voneinander gelernt.“

Sinem Tepecik und Hitoshi Budde
„Die Summer School in Steyr war für uns eine herausragende Gelegenheit, theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden. Besonders lehrreich war für uns die Fallstudie von Vishay zur frühzeitigen Erkennung von Störungen in der Lieferkette. Die langen Lieferzeiten in der Halbleiterindustrie waren uns vorher nicht bewusst, und es war interessant, Strategien zur Risikominimierung zu entwickeln. Der Besuch bei Voestalpine hat uns zudem gezeigt, wie komplex und kostenintensiv die Logistik in der Stahlproduktion ist. Neben dem fachlichen Wissen haben wir viele neue Freundschaften geschlossen und unsere Englischkenntnisse verbessert.“

Michele Bützner und Laura Pietsch
„Die Summer School war eine unglaubliche Erfahrung. Wir haben gelernt, wie wichtig Flexibilität und schnelle Reaktionen im Supply Chain Management sind. Besonders die Fallstudie über gestörte Lieferketten hat uns gezeigt, wie real solche Probleme sind und wie Unternehmen darauf vorbereitet sein müssen. Der interkulturelle Austausch war ebenfalls bereichernd – wir haben viel über die verschiedenen Arbeitsweisen in Europa und Asien gelernt und konnten unsere Kommunikationsfähigkeiten verbessern.“ 

Naxana Vittinghoff
„Für mich war die Summer School eine perfekte Kombination aus Lernen und persönlicher Entwicklung. Die Fallstudien waren anspruchsvoll und haben mir gezeigt, wie wichtig detaillierte Planung und Analyse im Supply Chain Management sind. Die Zusammenarbeit mit internationalen Studierenden hat meinen Horizont erweitert und mir neue Denkansätze vermittelt. Auch das Freizeitprogramm war toll – ich habe viel über die österreichische und asiatische Kultur erfahren und viele neue Freunde gewonnen.“ 

Fazit
Insgesamt zeigt die Summer School in Steyr eindrucksvoll, wie wichtig und wertvoll internationale Kooperation und interkultureller Austausch im Bereich des Supply Chain Managements sind. Die Teilnehmer nehmen nicht nur fachliches Wissen und praktische Erfahrungen mit, sondern auch viele positive Erinnerungen und neue Freundschaften. Die Veranstaltung ist ein wichtiger Schritt in der Ausbildung zukünftiger Fach- und Führungskräfte, die in einer globalisierten Welt erfolgreich agieren können.

Titelbild: Summer School 2024 (© FH Oberösterreich

 

Björn Bosch
Oberstudienrat
Kommissarischer Abteilungsleiter Spedition und Logistik
Bildungsgangleiter Fachschule für Wirtschaft – Schwerpunkt Logistik 

Walter-Eucken-Berufskolleg
Suitbertusstraße 163/165
40223 Düsseldorf
T +49 211 892 73 00
M +49 172 25 58 264
F +49 211 892 9160
bjoern.bosch@schule.duesseldorf.de
www.walter-eucken-bk.de

 

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