Aus dem AHV NRW Magazin: Compliance in Trade Finance
Compliance in Trade Finance
Text: Matthias Walter
Trade Finance ist ein wesentlicher Bestandteil des globalen Handels. Es umfasst eine Vielzahl von Finanzinstrumenten und Dienstleistungen, die den Handel von Waren und Dienstleistungen zwischen verschiedenen Ländern erleichtern. Diese Instrumente und Dienstleistungen bieten den beteiligten Parteien Schutz und finanzielle Sicherheit, minimieren Risiken, gewährleisten Liquidität. Compliance spielt in diesem Bereich eine entscheidende Rolle, um sicherzustellen, dass alle Transaktionen im Einklang mit den nationalen und internationalen Vorschriften und Standards durchgeführt werden.
Compliance bezieht sich auf die Einhaltung von Gesetzen, Vorschriften und internen Richtlinien. Im Trade Finance Geschäft bedeutet dies, dass alle Beteiligten – wichtig hierbei: sowohl Unternehmen als auch Finanzinstitute losgelöst voneinander – sicherstellen müssen, dass alle Geschäfte den geltenden regulatorischen Anforderungen entsprechen. Diese können sich auf verschiedene Aspekte wie z.B. Geldwäschebekämpfung, Terrorismusfinanzierung, Sanktionen, Korruptionsbekämpfung und steuerliche Transparenz beziehen. Die Einhaltung dieser Vorschriften ist nicht nur aus rechtlichen Gründen wichtig, sondern auch um das Vertrauen der Geschäftspartner und der Öffentlichkeit zu gewährleisten. Nichteinhaltung kann zu rechtlichen Konsequenzen mit schweren Strafen oder Rufschädigung führen.
Know Your Customer
Einer der zentralen Aspekte von Compliance in der Handelsfinanzierung ist die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Finanzinstitute sind verpflichtet, ihre Kunden gründlich zu überprüfen und verdächtige Aktivitäten zu melden. Dies umfasst die Implementierung eines Know Your Customer (KYC)-Verfahrens, das sicherstellt, dass die Identität der Kunden und ihre Geschäftstätigkeiten verifiziert und dokumentiert werden. Des Weiteren müssen Finanzinstitute Systeme zur Transaktionsüberwachung einsetzen, um ungewöhnliche oder verdächtige Muster zu erkennen, die z.B. auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung hinweisen könnten.
Sanktionslisten
Ein weiterer wichtiger Compliance-Bereich betrifft Sanktionen und Embargos, die sowohl von nationalen als auch internationalen Behörden verhängt werden. Unternehmen und Finanzinstitute müssen sicherstellen, dass sie keine Geschäfte mit – in welcher Art auch immer – sanktionierten Ländern, Organisationen oder Einzelpersonen tätigen. Die Nichteinhaltung von Sanktionen und Embargos kann schwerwiegende rechtliche und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen. Zur Einhaltung müssen Unternehmen und Finanzinstitute umfangreiche Sanktionslisten überwachen und sicherstellen, dass sie nicht gegen bestehende Beschränkungen verstoßen. Dies erfordert oft den Einsatz spezialisierter Softwarelösungen, die kontinuierlich aktualisierte Sanktionslisten prüfen und Transaktionen dagegen abgleichen. Auch die Dual-Use-Verordnung gilt es im Rahmen von Im- und Exporten sowie Transiten zu beachten. Mithin muss auch eine solide Güterprüfung erfolgen.
Kein Allheilsbringer
Ein Blick auf die Entwicklungen auf die Situation in der Ukraine zeigt, wie schnelllebig Compliance sein kann. Inzwischen wurde eine Vielzahl von Sanktionspaketen – aktuell das 14. – gegen Russland und Weißrussland erlassen, die auch die Themenfelder Umgehungstatbestand und Transportrouten einschließen. Für Finanzinstitute ist es daher unerlässlich, weitergehende Informationen im Rahmen der Abwicklung einzelner Transaktionen zu erhalten. Dabei helfen einerseits Vorabinformationen zu Geschäften sowie Lieferdokumente, die beispielsweise unter Akkreditiven präsentiert werden. Andererseits werden mitunter weitergehende Erklärungen seitens des Im- oder Exporteurs beigezogen, um zum Beispiel den Endverbleib der Ware zu dokumentieren, Aussagen zu Transportrouten zu treffen oder diese gar zu belegen. Ein klares Ziel der EU-Embargos gegen Russland und Belarus ist es, Umgehungen von Sanktionen herauszufiltern und zu verhindern. Die bei Unternehmen „beliebte“ No Russia Clause / No Belarus Clause ist auf keinen Fall ein Allheilsbringer zur Lösung des Problems.
Fazit
Compliance ist gekommen, um zu bleiben. Es ist unerlässlich, um die Integrität des globalen Handels zu wahren und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sicherzustellen. Compliance geht jeden an – und zwar persönlich! An dieser Stelle auch noch einmal der Hinweis: Banken prüfen Transaktionen im Eigeninteresse. Das entbindet Unternehmen nicht von der Pflicht, eigenständig für die Einhaltung sämtlicher Regularien zu sorgen. Die Einhaltung der Vorschriften wird mehr und mehr durch Banken hinterfragt. Eine fehlende Compliance-Kultur stellt aus Banksicht ein Risikomerkmal dar.
Die Einhaltung von Compliance-Vorschriften in Trade Finance ist komplex und stellt Unternehmen und Finanzinstitute vor zahlreiche Herausforderungen. Sich ständig ändernde Vorschriften erfordern die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Überwachung und Schulung von Mitarbeitern sowie den Einsatz geeigneter Technologien zur Überwachung und Durchsetzung von Compliance-Maßnahmen. Eine mögliche Lösung besteht darin, nicht nur in moderne Compliance-Management-Systeme, die automatisierte Überwachungs- und Berichtsfunktionen bieten, sondern auch in gut ausgebildete Mitarbeiter in ausreichender Anzahl zu investieren. Ein höchst verlässlicher Indikator ist jedoch oftmals das Bauchgefühl jedes Einzelnen! ◀

Matthias Walter
Head of Trade Finance Region West
Commerzbank AG
40213 Düsseldorf
T +49 211 827 2294
matthias.walter@commerzbank.com
www.firmenkunden.commerzbank.de

Dieser Artikel ist auch im AHV NRW Magazin 2024 zu finden oder Sie können den Artikel hier als PDF herunterladen:







