Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie wir produzieren und miteinander Handel treiben, fundamental. So wie die realwirtschaftlichen Prozesse verändert sich auch deren Finanzierung, und so stellen sich auch neue Herausforderungen für die Exportkreditgarantien des Bundes.

Der klassische Warenexport wie wir ihn seit Jahrzehnten kennen, zeigt nicht mehr die Wachstumsraten früherer Phasen. Stattdessen etablieren sich neue Geschäftsmodelle auf Basis digitaler Lösungen. Betreibermodelle, die sich in erster Linie an der Nutzung einer Maschine orientieren, sowie Service- und Programmierleistungen treten verstärkt an die Stelle des traditionellen Warenexports.

Hinzu kommt ein rasanter Wandel in den Wertschöpfungsketten. Für die Internationalisierung der Wertschöpfung, die schon in der prä-digitalen Welt auf dem Vormarsch war, bieten sich dank der Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten. Dies wird auch das deutsche Exportmodell nachhaltig verändern.

All diese Entwicklungen werfen auch mit Blick auf die Exportfinanzierung und -absicherung neue Fragen auf.

Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums hat die BSS Volkswirtschaftliche Beratung AG in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI und der Universität St. Gallen die Auswirkungen der digitalen Transformation der Wirtschaft auf die Exportkreditgarantien des Bundes wissenschaftlich untersucht.

Die Ergebnisse sowie konkrete Handlungsempfehlungen wurden im Rahmen einer digitalen, interaktiven Veranstaltung am 10.11.2020 in Berlin vorgestellt und diskutiert. Die Pressemitteilung des BMWi und die Studienergebnisse finden Sie unter diesem Link: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2020/11/20201110-exportfinanzierung-des-bundes-wird-digitaler-bmwi-veroeffentlicht-studie-zu-den-auswirkungen-der-digitalen-transformation.html

In der Studie werden fünf Handlungsfelder herausgearbeitet:

  1. Neue Zielgruppen erschließen.
  2. Das Instrumentarium dem digitalen Wandel anpassen.
  3. Die Förderungswürdigkeit neu definieren.
  4. Das Produktangebot sowie die Antragstellung und -abwicklung weiter digitalisieren.
  5. Finanzierungsplattformen breiter nutzen.

Rund 100 Teilnehmer diskutierten mit den Wissenschaftlern sowie Vertretern des BMWi und von Euler Hermes darüber, wie die Exportkreditgarantien des Bundes diesen Herausforderungen auch in Zukunft gerecht werden können. Einen Schwerpunkt bildete dabei der Begriff der Förderungswürdigkeit, der bei der Übernahme von Exportkreditgarantien ein wesentliches Prüfkriterium darstellt. Wie lassen sich Geschäfte, bei denen anstelle physischer Güter Datensätze oder Programmierleistungen exportiert werden, unter diesen Begriff subsumieren? Ein weiterer Fokus der Diskussionen lag auf der Frage nach zeitgemäßen Finanzierungsformen und Absicherungsprodukten für digitale Dienstleistungen. Die Empfehlungen der Studie und die Ergebnisse der Veranstaltung fließen in die Diskussionen um die Fortentwicklung der Exportkreditgarantien des Bundes ein und dienen als Grundlage für den weiteren Dialog zwischen Politik und Wirtschaft.

Quelle:

AGA-Report 315 / November 2020

https://www.agaportal.de/_Resources/Persistent/e0fd39be01d1cf30397e1dde9d13d8adbb511386/ar315.pdf