Netzwerktreffen der Außenhändler, vereint im AHV NRW e. V. (mit Fotoreportage)

Aktualisiert: 21.05.20266,6 min. Lesezeit

Quo Vadis Deutschland – Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität in einer sich wandelnden Weltwirtschaft

Am 18.05.2026 fand im Industrie-Club Düsseldorf die diesjährige Mitgliederversammlung statt. Im Anschluss hieran gab es einen Gastvortrag zum Thema: Quo Vadis Deutschland – Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität in einer sich wandelnden Weltwirtschaft.

Im Rahmen des Vortrags analysierte Herr Isermann, Bundesbankdirektor in der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in NRW, stellvertretend für den Präsidenten der Hauptverwaltung Herrn Otto, die aktuelle wirtschaftliche Lage Deutschlands sowie die strukturellen Herausforderungen für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

Zentraler Befund war die seit Jahren anhaltende wirtschaftliche Seitwärtsbewegung des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Besonders kritisch wurde hervorgehoben, dass das Potenzialwachstum Deutschlands bis 2030 nahezu zum Erliegen kommen könnte, nachdem es im Zeitraum von 1996 bis 2024 durchschnittlich rund 1,2 % pro Jahr betrug.

Ein wesentlicher Belastungsfaktor für die deutsche Wirtschaft sind laut Vortrag externe geopolitische Entwicklungen, wie die Schließung der Straße von Hormus oder der zunehmende Protektionismus. Die angekündigten bzw. bestehenden Trump-Zölle belasten das deutsche Wirtschaftswachstum spürbar, da die USA weiterhin ein zentraler Handelspartner Deutschlands bleiben. Gleichzeitig hat sich China in vielen Industriebereichen zu einem starken Wettbewerber entwickelt.

Dennoch wurde betont, dass der Großteil der aktuellen Probleme „hausgemacht“ sei – und damit grundsätzlich lösbar. Als besonders wachstumshemmend gelten die hohe Bürokratiebelastung, sowie steigende Standortkosten. Rund drei Viertel der deutschen Exportrückgänge der letzten Jahre seien auf verschlechterte Wettbewerbsbedingungen zurückzuführen. Zusätzlich werde etwa ein Viertel der deutschen Produktpalette derzeit am Weltmarkt nicht ausreichend nachgefragt.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Diskussion über ein mögliches „De-Risking“ gegenüber China. Hintergrund ist die hohe Abhängigkeit Deutschlands und Europas von chinesischen Lieferketten, insbesondere bei seltenen Erden. Rund 90 % der weltweiten Veredelung seltener Erden entfällt derzeit auf China. Die Bundesbank sprach sich dabei für ein „De-Risking“ aus, jedoch gegen ein vollständiges „De-Coupling“, da China weiterhin ein bedeutender Wirtschaftspartner bleibe.

Kritisch bewertet wurden zudem die rückläufigen Investitionen in Deutschland. In den letzten beiden Jahren waren die privaten Netto-Anlageinvestitionen sogar negativ, wodurch Deutschland zunehmend „von der Substanz“ lebe. Gleichzeitig arbeiteten die Menschen in Deutschland laut OECD im internationalen Vergleich immer weniger, während die Produktivität nur noch geringfügig zunimmt.

Im internationalen Vergleich wurde insbesondere auf die USA verwiesen, die ihre Arbeitsproduktivität massiv durch Investitionen in Künstliche Intelligenz und andere High-Tech Bereiche steigern. Deutschland hingegen investiere überwiegend in sogenannte Mid-Tech-Bereiche und laufe Gefahr, technologisch an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Zusammenfassend zeichnete der Vortrag das Bild einer strukturell geschwächten deutschen Volkswirtschaft, deren Herausforderungen jedoch durch Reformen, höhere Investitionen, Bürokratieabbau und stärkere Innovationsförderung grundsätzlich lösbar erscheinen, da Deutschland ein exzellentes wirtschaftliches Fundament aufweise.

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion wurden einzelne Aspekte aus Unternehmenssicht, Frau Bolte von der PM Group, und aus Verbandssicht, Herr Hoeckle vom BGA / BDEx, vertieft.

Aus der Podiumsdiskussion wurde zudem deutlich, dass Außenhändler deutlich flexibler auf Marktveränderungen reagieren können als produzierende Unternehmen. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass die Qualität chinesischer Waren kontinuierlich zunimmt und Deutschland von günstigen sowie qualitativ hochwertigen Vorprodukten „Made in China“ profitiert. Eine wirtschaftliche Abschottung wurde daher kritisch bewertet.

Das Institut der deutschen Wirtschaft, vertreten durch Herrn Matthes, schlug Ausgleichszölle der EU vor, um subventionsbedingte unfaire Wettbewerbsverzerrungen Chinas aus dem Spiel zu nehmen und ein Level-Playing-Field zu schaffen.

Seitens der Außenhandelsverbände wurde die fehlende strategische Ausrichtung der deutschen Politik im Umgang mit China kritisiert. Während China seine langfristigen Fünfjahrespläne konsequent umsetze und massiv – unter anderem in Künstliche Intelligenz – investiere, fehle es in Deutschland an Mut und klaren Konzepten. Zudem wurde gefordert, Freihandelsabkommen auszubauen und zu vereinfachen, insbesondere um die Nutzung durch kleine und mittlere Unternehmen zu erhöhen.

Darüber hinaus wurde betont, dass der Außenhandel weiterhin ein zentraler Wachstumstreiber Deutschlands sei. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten Produktivitätspotenziale stärker genutzt, Bürokratie mithilfe von KI reduziert und der europäische Binnenmarkt weiter gestärkt werden. Kritisch gesehen wurde zudem die aktuelle Nachhaltigkeitsregulatorik, da ohne einen weltweit einheitlichen CO₂-Preis kein „Level Playing Field“ entstehe.

 

Ansprechpartner:

Andreas Mühlberg
Geschäftsführer
Außenhandelsverband Nordrhein-Westfalen (AHV NRW e. V.)
andreas.muehlberg@ahv.nrw

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