Die italienische Baubranche steht nach den Parlamentswahlen weiterhin vor schweren Zeiten. Das Ergebnis der Wahlen lässt keine Prognose zu, ob und wann für den Bausektor wichtige Impulse kommen.

Die Branche, die in den vergangenen zehn Jahren mit einem Rückgang der Investitionen um rund ein Drittel zu kämpfen hatte, wird daher voraussichtlich auch in diesem Jahr unter erheblichem Renditedruck stehen. Die Insolvenzgefahr in der italienischen Baubranche bleibt damit unvermindert groß. Zu dieser Einschätzung kommt der Kreditversicherer Atradius in einer aktuellen Studie.
 
Die Rahmenbedingungen in der drittgrößten europäischen Volkswirtschaft sind für den Bausektor weiterhin sehr schwierig. Die strengen Vorgaben der Banken für die Kreditvergabe setzen viele der bereits hochverschuldeten Unternehmen stark unter Druck. Auch die Marktentwicklung gibt wenig Anlass für Optimismus: Nachdem die Bauinvestitionen in Italien zwischen 2007 und 2016 um mehr als 35 % geschrumpft waren, gab es laut Angaben des italienischen Bauverbandes ANCE im vergangenen Jahr ein minimales Wachstum von 0,2 %. Im wichtigen Segment Wohnungsneubau gingen die Investitionen erneut um 1,5 % zurück.
 
„Angesichts der anhaltenden Probleme sehen wir für die italienische Baubranche viele Risiken, insbesondere für kleine und mittlere Bauunternehmen sowie für Genossenschaften und Konsortien, die sich auf den Wohnungsbau konzentrieren oder vom öffentlichen Bau abhängig sind, sagt Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS von Atradius. „Wir gehen davon aus, dass die Rentabilität vieler italienischer Bauunternehmen gering bleibt und sich die hohe Zahl an Bauinsolvenzen fortsetzt. Das Ergebnis der Parlamentswahlen bestärkt uns in dieser Einschätzung, denn es ist nicht absehbar, wie stabil eine künftige italienische Regierung sein wird und ob sie positive Impulse sie für die Baubranche setzen kann.“
 
Und das, obwohl die Prognosen für das laufende Jahr insgesamt etwas besser erwartet werden. Die Bauinvestitionen sollen um 1,5 % leicht ansteigen. Entsprechende Anreize sollen auch vom Staat kommen: Nach Angaben der bisherigen italienischen Regierung waren 100 Milliarden Euro für öffentliche Bauinvestitionen in den nächsten 15 Jahren und weitere 3,3 Milliarden Euro für den Wiederaufbau in bestimmten Erdbebengebieten vorgesehen. Allerdings haben in der Vergangenheit auch verspätete Zahlungen öffentlicher Auftraggeber zu den Schwierigkeiten im Markt beigetragen. Laut ANCE meldeten im ersten Halbjahr 2017 etwa 70 % der Bauunternehmen Zahlungsverzug von öffentlichen Auftraggebern – im Durchschnitt nach 156 Tagen, im Vergleich zu 60 Tagen, die nach EU-Recht vorgeschrieben sind.
 
„Damit sind öffentliche Auftraggeber in Italien ein durchaus ernstzunehmender Risikofaktor für die heimische Baubranche. Denn wenn kleinere und mittlere Unternehmen oft ein halbes oder gar ein ganzes Jahr auf größere Zahlungen warten müssen, sind nicht selten Zahlungsunfähigkeit und drohende Insolvenz die Folge“, stellt Karrenberg fest. Trotzdem schränkt er an einer Stelle ein: „Unternehmen, die Renovierungsarbeiten durchführen, die durch staatliche Anreize unterstützt werden, sehen wir positiver. Denn in diesem Bereich sind die Investitionen zwischen 2008 und 2016 um 20 % gewachsen.“ Ein schwacher Lichtblick in einem insgesamt sehr schwierigen Markt.
 
Den aktuellen Atradius-MarktMonitor über die Baubranche finden Sie hier


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Quelle:

Atradius Pressemitteilung vom 15.03.18

 

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