Kreditversicherer Coface warnt vor Überhitzung, Bankenproblemen in China und sozialen Unruhen.

Der internationale Kreditversicherer Coface erwartet für das laufende Jahr ein weiteres Wachstum der Weltwirtschaft um 3,2 %. Reibungslos wird das allerdings wohl kaum verlaufen. So warnte Coface jetzt bei der „Country Risk Conference“ in Paris besonders vor drei Risikofeldern: konjunkturelle Überhitzung in entwickelten Ländern, Bankenprobleme in China und soziale Instabilität in Emerging Markets. Dagegen scheint sich Protektionismus, trotz der US-Politik, eher abzuschwächen.


2017 brachte einige positive wirtschaftliche Überraschungen. So schlossen nur 13 Länder das Jahr in einer Rezession ab, 2016 waren es noch 25. Der weltweite Handel machte einen kräftigen Sprung nach oben. Nach Berechnungen von Coface betrug der Zuwachs 4,4 % nach 1,5 % 2016. Und die befürchteten Risiken durch Protektionismus realisierten sich im vergangenen Jahr nicht im erwarteten Ausmaß. Die Anzahl protektionistischer Maßnahmen ging - trotz einer Zunahme in den USA - weltweit netto sogar auf 283 zurück. 2016 wurden 374 solcher Eingriffe in die Wirtschaft gezählt.


Zu den Gewinnern des beschleunigten globalen Handels zählen Länder mit einer offenen Wirtschaft, die Coface in der Länderbewertung heraufgestuft hat:

Niederlande (A1),

Südkorea (A2),

Taiwan (A2),

Singapur (A2) und

Hongkong (A2).

 

Griechenland profitierte vom wiedergewonnenen Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen. In der Coface-Bewertung stieg Griechenland von C in B auf. In aufstrebenden Ländern trug der Anstieg von Rohstoffpreisen zum besseren Ergebnis bei. Coface hob unter anderen die Länderbewertungen für Brasilien (B) an.

Für 2018 erwartet Coface ein weiteres Wachstum der Weltwirtschaft um 3,2 %. Dabei werden die Emerging Countries mit 4,6 % stärker und vor allem gleichmäßiger zulegen. In den entwickelten Volkswirtschaften werden die Insolvenzen weiter zurückgehen, wenngleich etwas weniger stark. Nach minus 6 % im Vorjahr geht Coface für 2018 von minus 1,8 % Unternehmensinsolvenzen aus. Anders in Großbritannien: Dort wird die anhaltende politische Verunsicherung nach Einschätzung der Volkswirte beim Kreditversicherer zu einem Anstieg der Insolvenzen um 10 % beitragen.

Soziale Instabilität
Die globale Verbesserung wird voraussichtlich nicht reibungslos verlaufen. Coface warnt vor drei großen Risiken. In der zweiten Jahreshälfte könnten sich Anzeichen einer Überhitzung in den Industrieländern realisieren. Historisch niedrige Arbeitslosenzahlen in Deutschland, den USA und Mitteleuropa zeigten, dass die Unternehmen nah an ihrer Produktionsauslastung seien. Daraus könnten Lieferprobleme erwachsen. Das trifft im Resultat auch auf Frankreich zu, wo es aber paradoxerweise einen Arbeitskräftemangel trotz hoher Arbeitslosenzahlen gibt.

2016 und 2017 wurden die strukturellen Probleme in China zeitweise durch die staatlichen Investitionen verdeckt. Nun treten sie wieder zutage: Überkapazitäten, besonders in der Stahlproduktion, und steigende Verschuldung der Unternehmen sowohl bei Banken als auch bei Schattenbanken. Die Bankrisiken steigen nach Einschätzung von Coface entsprechend stark, besonders für kleinere und mittlere Institute.

„Ein Wiederaufleben der politischen Risiken kann für 2018 nicht ausgeschlossen werden“, heißt es in einer Presseinformation zur Länderrisiko-Konferenz. In einem Jahr mit vielen Wahlen sei in aufstrebenden Ländern die soziale Spannung weiter hoch. Coface konstatiert hohe Werte beim Risikoindex für die soziale (In-)Stabilität im Iran (71 %), im Libanon (65 %), Russland (64 %) Algerien, Brasilien und Mexiko (jeweils 61 %). Im Nahen und Mittleren Osten wird das Risiko durch den volatilen Ölpreis verstärkt. Saudi-Arabien hat bei Coface ebenfalls einen hohen Risikowert für das Kriterium soziale Stabilität (65 %). In der allgemeinen Länderbewertung trägt das zu einer Abstufung in die Kategorie C bei.

Viele Branchen entwickeln sich positiv
Coface untersucht neben der wirtschaftlichen Situation in 160 Ländern auch die Entwicklung von 13 Branchen in 24 Ländern. Dieser Ausschnitt repräsentiert fast 85 % der globalen Wirtschaftsleistung. Zu Beginn des Jahres wurden 18 Branchenbewertungen aktualisiert, 15 davon positiv.

Der Metallsektor liefert – relativ gesehen - die besten Nachrichten aufgrund der Erholung bei den Metallpreisen. So sieht Coface das Branchenrisiko in Italien, Indien und der Türkei nicht mehr in „sehr hoch“, aber noch in „hoch“ und in den Niederlanden nur noch in „mittel“. Der Energiesektor erholt sich in Kanada und in den USA bei steigender Produktion und höheren Preisen. Für Kanada hat sich das Branchenrisiko in „hoch“ verbessert, in den Vereinigten Staaten in „mittel“. In Frankreich hat sich die Bewertung der Baubranche zum zweiten Mal in neun Monaten verbessert. Das Risiko liegt nur noch bei „niedrig“. Anders als im restlichen Westeuropa ist die Automobilbranche in Großbritannien außer Tritt. Erste Anzeichen einer harten Landung aufgrund des Brexit sind erkennbar: sinkende Investitionen, geringere Produktion und weniger Verkäufe. Dies führte zu einer Herabstufung der Branchenbewertung in „hohes Risiko“.

Die Länderbewertung für 160 Länder erfolgt auf einer Skala mit acht Stufen. A1 (sehr niedriges Risiko), A2 (niedrig), A3 (noch gering), A4 (noch akzeptabel), B (signifikant erhöht), C (hoch), D (sehr hoch) und E (extrem). Die Branchenbewertung betrachtet 13 Sektoren in sechs Regionen und 24 Ländern. Diese machen fast 85 % der globalen Wirtschaftsleistung aus. Die Skala ist vierstufig: niedriges, mittleres, hohes und sehr hohes Risiko.
Mehr zu den aktuellen Länder- und Branchenbewertungen: www.coface.de

Jetzt erschienen: neue Online-Ausgabe des Country Risk Handbook 2018 (Englisch). Download: www.coface.com/News-Publications/Publications

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