"Die anhaltenden Strukturreformen verstärken den Fokus auf Dienstleistungen und Konsum und machen deutlich, dass China derzeit eine Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten durchläuft", so heißt es in einem neuen Panorama von Coface.

Mit Blick auf ihr mittel- und langfristiges Wachstumspotential hat der internationale Kreditversicherer unter den Branchen potentielle Gewinner und Verlierer der aktuellen Entwicklung ausgemacht.

Mit 6,9 % verbuchte die chinesische Wirtschaft 2015 das schwächste Wachstum seit 25 Jahren. 2016 und 2017 dürfte das Tempo weiter nachlassen und das von der Regierung im Fünf-Jahres-Plan 2016-2020 aufgerufene Durchschnittsziel von 6,5 % nicht erreichen.

Gewinner: Branchen mit Wachstumspotential

Branchen mit langfristig guten Aussichten für Wachstum, wie Pharma und Einzelhandel, unterliegen allgemein geringeren Risiken. Ihre Risikobewertungen liegen bei „niedrig“ oder „mittel“. Eine Ausnahme bildet der Informations- und Kommunikationssektor (ICT). Auch diese Sparte bietet Chancen, hat aber eine Coface-Bewertung „hohes Risiko“. So ist das Ausfallrisiko für chinesische Unternehmen der ICT-Branche relativ hoch, auch wegen der starken regionalen Konkurrenz und trotz der eigentlich guten Aussichten für Wachstum.

Der Pharma-Sektor bleibt die aussichtsreichste Branche mit stabilen Gewinnmargen. Neben einer deutlichen Verbesserung im Zahlungsverhalten profitiert die Branche davon, dass sie weder im operativen Geschäft noch bei den Investitionen sonderlich abhängig ist von Krediten. Der mittelfristige Ausblick ist positiv aufgrund der steigenden Nachfrage durch die wachsende Mittelschicht und die alternde Bevölkerung.


Verlierer: Branchen mit hohen Kreditrisiken

Unter den zwölf von Coface bewerteten Brachen sind zwei in der Kategorie “sehr hohes Risiko”: Bau und Metall. Deren Risiken sind eng verknüpft mit Themen wie Verschuldung, notleidende Kredite, Ausfall von Unternehmensanleihen, Überkapazitäten und „Zombie-Firmen“.

Im zweiten Halbjahr dürfte das Wachstum der Baubranche und des Metallsektors weiter abkühlen. Die Gründe: lahmende private Investitionen, gebremste Investitionen der staatlichen oder staatsnahen Unternehmen, geringe Produktivität. Der Schatten über der Bauaktivität führt auch zu einer geringeren Nachfrage nach Baumaterialien, besonders nach Zement und Metallen. Deren Produzenten leiden ohnehin schon unter Überkapazitäten.

Den Risiken könnte der Staat mit Reformen bei den eigenen Unternehmen begegnen und Maßnahmen wie Werksschließungen, Reorganisation und Public-Private-Partnerships (PPP) initiieren. „Dennoch werden sich die Kreditrisiken für Bauunternehmen, einschließlich der Produzenten von Baumaterial, weiter verschärfen. Der Ausblick ist insgesamt negativ“, sagt Jackit Wong, Coface-Economist für Asien-Pazifik.

Alle „Verliererbranchen“ unterliegen aufgrund der insgesamt schwierigen Geschäftsmöglichketen einem erhöhten Zahlungsausfall- und Insolvenzrisiko. Zwischen potentiellen Gewinnern und Verlierern gibt es Branchen, die nicht direkt von den strukturpolitischen Entscheidungen der Regierung betroffen sind. Dazu zählen landwirtschaftliche Lebensmittel, Holz-Papier und Textil-Bekleidung, die Coface mit „mittleres“ oder „hohes Risiko“ bewertet.
Details zu den Branchenperspektiven und Branchenbewertungen: www.coface.de 

Quelle: Pressemitteilung vom 19.08.16.

Kontakt: Erich Hieronimus / Pressesprecher / Kommunikation, T.: +49 (0) 6131 / 323-541, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , Coface, Niederlassung in Deutschland, Isaac-Fulda-Allee 1, 55124 Mainz

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