Handelspartner Ukraine: Wirtschaftliche Zusammenarbeit stärken
Handelspartner Ukraine
Wirtschaftliche Zusammenarbeit stärken
Text: Dr. Julia Bellinghausen
Fotos: Big Blue Yahidky / Slow Walnuts / Stodola Rudenko
„Made in Ukraine“
Landwirtschaftliche Produkte, wie Getreide, Ölsaaten und Beeren, gehören zu den wichtigsten Exportgütern der Ukraine. Agrarprodukte „Made in Ukraine“ stehen weiterhin für den europäischen Markt zur Verfügung, denn viele Unternehmen halten ihre Produktion trotz des Kriegs aufrecht. Abseits der Front gelegen produzieren die Unternehmen weiter und suchen für ihre Produkte, die in der Ukraine nicht nachgefragt und benötigt werden, Märkte und Handelspartner in Europa. Das Import Promotion Desk (IPD), ein Projekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), unterstützt die Produzenten bei ihrer Suche und vernetzt sie mit europäischen Importeuren.
Matchmaking: IPD bringt ukrainische und europäische Unternehmen zusammen
Die Initiative der Importförderung startete ihre Arbeit in der Ukraine bereits im Jahr 2018. Als Reaktion auf den Krieg wurde das Engagement verstärkt: Das IPD hat im Auftrag des BMZ das „Ukraine Special Programme“ gestartet, um kurzfristig weitere Unternehmen in das Programm aufzunehmen und die Matchmaking-Aktivitäten, zum Beispiel auf Messen, zu verstärken.
Aktuell sind 17 ukrainische Produzenten im IPD-Programm. Ihr Produktfokus liegt auf frischem und verarbeitetem Obst & Gemüse sowie natürlichen Zutaten. Das Angebot umfasst zum Beispiel Blau-, Him- und Brombeeren, eingelegtes Gemüse, Saucen und Aufstriche, Kräuter, besondere Getreidesorten wie Amaranth und Hirse, pflanzliche Extrakte sowie Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne und Sojabohnen. Die ukrainischen Unternehmen kommen weiterhin auf internationale Fachmessen und stellen ihr Angebot mit Unterstützung des IPD persönlich vor. So waren ukrainischen Produzenten 2025 auf den Messen Fruit Logistica, Biofach und Anuga präsent. Aufgrund eingeschränkter Reisemöglichkeiten setzt das IPD auch verstärkt auf Online-Events, bei denen ukrainische und europäische Unternehmen zusammenkommen. Darüber hinaus steht das IPD europäischen Einkäufern als erste Ansprechpartner zur Verfügung, um passende Kontakte zu vermitteln. Die IPD-Experten prüfen, ob eine spezielle Anfrage durch ukrainische Partner erfüllt werden kann. Zudem können sie schnell Auskunft über Produktqualität, Zertifizierungen, Liefermengen und -möglichkeiten geben.

Produktion in Kriegszeiten: Unternehmen meistern Herausforderungen
Die IPD-Unternehmen sind über das ganze Land verteilt. Viele haben ihre Produktion in den Westen des Landes verlagert, die landwirtschaftlichen Flächen – auch im Osten – werden aber weiterhin bearbeitet. Neben Stromausfällen, Infrastrukturproblemen und logistischen Unsicherheiten durch den Krieg ist eine der größten Herausforderungen der Mangel an Arbeitskräften. Viele Unternehmer haben bereits vor dem Krieg in moderne Technik investiert, sind sehr digital-affin und können so den Arbeitskräftemangel zum Teil durch einen hohen Grad an Automatisierung kompensieren. Auch für viele andere Herausforderungen haben die Produzenten Lösungen gefunden. Um Lieferprobleme zu vermeiden, haben ukrainische Unternehmen Logistikableger in Polen gegründet. So können Verzögerungen vermieden werden.
Qualität: Unternehmen erfüllen Anforderungen des europäischen Marktes
Das Produktangebot aus der Ukraine ist weiterhin qualitativ hochwertig. Viele IPD-Unternehmen setzen ihr Engagement für Bio-Qualität fort oder erfüllen die Kriterien anderer Zertifikate. Die Produktqualität ist beim Sourcing des IPD neben anderen Kriterien wie die verlässliche Lieferfähigkeit ein zentrales Kriterium für die Aufnahme in das IPD-Programm. Aufgrund der Sicherheitslage führt das IPD keine eigenen Sourcing Missions durch, arbeitet aber eng mit lokalen Verbänden, Clustern und Exportförderinstitutionen zusammen. Diese Partner unterstützen bei der Identifikation geeigneter Lieferanten und geben Rückmeldung zur Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit. Nach Aufnahme in das IPD-Programm unterstützt das IPD-Team die Unternehmen durch Qualitätsberatungen, etwa bei der Einführung und Umsetzung von Qualitätsstandards. Die Rückmeldungen von Einkäufern bestätigen, dass die ukrainischen Produzenten die Qualitätsanforderungen des europäischen Marktes erfüllen. Besonders gefragt sind weiterhin Bio-Produkte aus der Ukraine und viele Unternehmen schaffen es, ihre Bio-Produktion am Laufen zu halten. Auch die ukrainische Zertifizierungsstellen für das Bio-Siegel, wie z.B. „Organic Standard“, setzen ihre Arbeit und Prüfungen trotz Kriegszeiten fort. „Organic Standard“ hat zudem auch mit Unterstützung des IPD sein digitales Angebot zur Vergabe und Registrierung von Bio-Zertifikaten weiter ausgebaut. Auf diese Weise ist die Bio-Zertifizierung sichergestellt und ukrainische Produzenten können ihr Bio-Angebot als solches vermarkten.

Handel: Beitrag zur Stärkung der wirtschaftlichen Resilienz
Das IPD ist heute in 21 Entwicklungs- und Schwellenländern engagiert. Am Beispiel der Ukraine lässt sich gut die Bedeutung des internationalen Handels für die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung von Regionen und Ländern aufzeigen. Der Außenhandel kann helfen, die wirtschaftlichen Strukturen in der Ukraine zu erhalten und somit die wirtschaftliche Resilienz in Kriegszeiten zu stärken. Mit europäischen Handelspartnern können kleine und mittelständische Unternehmen ihre Produktion in der Ukraine aufrechterhalten, weiterhin Einkommen und Beschäftigung im ländlichen Raum sichern, Devisen für Investitionen erwirtschaften sowie nachhaltige und transparente Lieferketten aufbauen. Im Gegenzug profitieren europäische Unternehmen vom ukrainischen Angebot, insbesondere Bio-Produkten, natürlichen Zutaten und verarbeitetem Obst & Gemüse sowie von guter Produktqualität, kurzen Lieferwegen und von wettbewerbsfähigen Preisen.◀

Dr. Julia Bellinghausen
Leiterin des Import Promotion Desk (IPD)
IPD – Import Promotion Desk
c/o sequa gGmbH
Alexanderstraße 10
53111 Bonn
T +49 228 90 900 810
bellinghausen@importpromotiondesk.de
www. importpromotiondesk.de

Dieser Artikel ist auch im AHV NRW Magazin 2026 zu finden oder Sie können den Artikel hier als PDF herunterladen:







