Nach einer Rezession in den Jahren 2014 bis 2016 hat sich die belarussische Wirtschaft seit 2017 wieder erholt und besser entwickelt als erwartet. Das Bruttoinlandprodukt betrug 2017 ca. 54 Mrd. USD und wuchs um 2,4% im Vergleich zu 2016. Die Weltbank prognostiziert für 2018 wiederum ein BIP-Plus von 2,1% und der Aufwärtstrend dürfte sich fortsetzen.

 

Vor diesem Hintergrund fand am 13./14.09.2018 in der belarussischen Hauptstadt Minsk anlässlich der 25. Internationalen Fachmesse „Möbel 2018“ ein Business-Forum zu dem Thema„Außenhandelsbeziehungen der Holz- und Möbelindustrie der Republik Belarus“ statt, welches gemeinsam vom Verband der Unternehmer und Arbeitgeber namens Prof. Kunjawsky(BSPN) unddemAußenhandelsverband Nordrhein-Westfalenorganisiert wurde.

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Der Geschäftsführer des BSPN, Dr. Valerij Prosvetov(Foto, 1. v.r.), stellte einführend einige zentrale Standortvorteile der Republik Belarus vor, unter anderem die günstige geografische Lage des Landes, die hohe Zahl an qualifizierten Arbeitskräften, die relativ niedrigen Standortkosten und nicht zuletzt die Mitgliedschaft des Landes in der Zollunion und dem Einheitlichen Wirtschaftsraum der GUS-Länder und der Eurasischen Wirtschaftsunion. 

Seit vielen Jahren ist Deutschland einer der wichtigsten Handels- und Investitionspartner von Belarus in der EU. Das bilaterale Handelsvolumen konnte im Laufe der Jahre stetig ausgebaut werden und legte zuletzt in 2017 wieder deutlich zu.

Belarus führt vor allem Mineralprodukte und Produkte der holzverarbeitenden Industrie inklusive Möbel nach Deutschland aus. Bei den Importen aus Deutschland handelt es sich vorwiegend um Investitionsgüter wie Maschinen, Ausrüstungen, Apparate und Werkzeuge.

Der bilaterale Handel wurde in den letzten Jahren durch zahlreiche deutsch-belarussische Wirtschaftsveranstaltungen gefördert. In diesem Zusammenhang sind vor allem Sitzungen der Arbeitsgruppe für Handel und Investitionen, Tage der deutschen Wirtschaft in Belarus und der belarussischen Wirtschaft in Deutschland, Präsentationen der belarussischen Regionen und freien Wirtschaftszonen zu erwähnen. Zur Intensivierung des Dialogs zwischen den belarussischen und deutschen Geschäftskreisen wurde Ende 2010 der Belarussisch-Deutsche Unternehmerrat ins Leben gerufen, dessen letzte Sitzung im Oktober 2018 in Lünen und Dortmund stattfand. 

Das Außenhandelspotenzial der Republik Belarus wird jedoch aktuell noch nicht voll ausgeschöpft, was Dr. Prosvetovam Beispiel der holzverarbeitenden Industrie darstellte.

Die forstwirtschaftlichen Ressourcen von Belarus betragen mehr als 9,4 Millionen Hektar, etwa 40% des Territoriums ist mit Wäldern bedeckt. Der Bestand an stehendem Holz wird auf 1,7 Mrd. Kubikmeter geschätzt, der jährliche Zuwachs beträgt mehr als 31,9 Mio. Kubikmeter. Dieser Wirtschaftszweig macht fast 4% der gesamten verarbeitenden Industrie in Belarus aus. Der Anteil der Holzverarbeitung in der Forst-, Holz- und Papierindustrie beträgt 62%. Die Möbelproduktion in Belarus beträgt 1% der gesamten industriellen Produktion und ist damit höher als z.B. in der Ukraine (0,5%), allerdings niedriger als in den EU-Mitgliedsstaaten (3-5%).

Einen der Gründe für das aus belarussischer Sicht bislang nicht in vollem Umfang genutzte Potential sieht Dr. Prosvetovin der Unkenntnis und einer daraus resultierenden Unsicherheit belarussischer Unternehmen was westliche Märkte und deren kaufmännische und juristische „Spielregeln“ betrifft. Zum einen geht es hier um die hohen technischen Normen, Zertifizierungen und Qualitätsstandards. Aber auch rechtliche Themen wie Gewährleistung oder Produkthaftung wirken teilweise abschreckend.  

Ziel des gemeinsamen Business-Forums war es daher u.a., kleinen und mittelständischen belarussischen Privatunternehmen Geschäftsmöglichkeiten auf dem deutschen bzw. europäischen Markt aufzuzeigen. 

In mehreren Fachvorträgen wurden Themen wie die europäische Regulierung der Produktion und Vermarktung von Holz- und Möbelprodukten (European Timber Regulation), das deutsche Holzhandelssicherungsgesetz (HolzSiG) sowie die Qualitätsstandards der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel dargestellt und diskutiert.

2018 09 13 Dr. F. Breckheimer BUnter den Referenten war auch der Düsseldorfer Rechtsanwalt Dr. Fabian Breckheimer (Foto links), der einen Vortrag zu den rechtlichen Besonderheiten von Außenhandelsbeziehungen belarussischer Firmen hielt. Dr. Breckheimerist Partner der Kanzlei tradeo LLP, einem Mitgliedsunternehmen des Außenhandelsverbandes Nordrhein-Westfalen, und berät bereits deutsche Unternehmen bei deren Belarus-Aktivitäten.

Im Anschluss an die Fachvorträge entspann sich eine interessante und lebhafte Diskussion zwischen den deutschen und belarussischen Teilnehmern, die teilweise schon im belarussischen bzw. deutschen Markt aktiv sind, teilweise den Markteintritt aber noch vor sich haben.

Konkret wurde eine Fortsetzung dieses Veranstaltungsformats in Deutschland im nächsten Jahr beschlossen: Im Januar 2019wird die Holz- und Möbelindustrie Belarus auf der größten internationalen Möbelmesse „IMM Cologne 2019“ zum ersten Mal mit einem gemeinsamen Stand vertreten sein. Die Experten beider Verbände – des BSPN und des Außenhandelsverbandes Nordrhein-Westfalen – beraten die belarussischen Austeller schon jetzt bei der Vorbereitung und Durchführung dieses wichtigen Branchenevents.

Über die Autoren:

Dr. Valerij Prosvetov, Projektleiter Deutschland/EU, benannt nach Professor M.S. Kuniawsky (BSPN). BSPN ist der größte Wirtschaftsverband von Unternehmern und Arbeitgebern in Belarus, zu dessen Mitgliedern etwa 200 kleine, mittlere und große Unternehmen mit insgesamt mehr als zehntausend Beschäftigten zählen, sowie sieben weitere Industrie- und Berufsverbände angehören.

Dr. Fabian Breckheimer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Internationales Wirtschaftsrecht. Er ist Partner der Düsseldorfer Kanzlei tradeo LLP, die schwerpunktmäßig deutsche und ausländische Unternehmen bei deren grenzüberschreitendem Geschäft berät.

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